4 Symptome eines Vitamin-B6-Mangels, die oft übersehen werden

Vitamin B6 (Pyridoxin) ist an mehr als 100 Stoffwechselreaktionen im Körper beteiligt. Es hilft beim Abbau und Aufbau von Eiweißen, bei der Bildung roter Blutkörperchen, bei der Produktion von Botenstoffen wie Serotonin, Dopamin und GABA und bei der Funktion des Immunsystems. Ein ausgeprägter Mangel ist in Industrieländern selten, ein leichter Mangel kommt jedoch bei bestimmten Gruppen vor. Weil die Anzeichen unspezifisch sind, werden sie häufig anderen Ursachen zugeschrieben. Hier sind vier Symptome, die Sie kennen sollten.

1. Hautveränderungen, entzündete Mundwinkel und eine gerötete Zunge

Eines der typischen Zeichen sind schuppige, fettige Hautausschläge, vor allem im Gesicht, an der Kopfhaut und um Nase und Augen, ähnlich einer seborrhoischen Dermatitis. Dazu kommen eingerissene, schmerzhafte Mundwinkel (Rhagaden), rissige Lippen und eine glatte, rote, manchmal brennende Zunge (Glossitis). Diese Beschwerden haben viele Ursachen, auch andere B-Vitamine wie B2, B3 und B12 oder Eisen sind beteiligt. Gerade deshalb werden sie oft nicht mit B6 in Verbindung gebracht.

2. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme

Vitamin B6 wird für die Herstellung von Serotonin, Dopamin und GABA gebraucht, die Stimmung, Antrieb und Schlaf beeinflussen. Bei Mangel können Niedergeschlagenheit, Gereiztheit, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche auftreten, in ausgeprägten Fällen auch Verwirrtheit. Das heißt nicht, dass jede Depression von einem Vitaminmangel stammt, ein Mangel kann aber ein Mitfaktor sein. Bei Säuglingen kann ein schwerer Mangel Krampfanfälle auslösen.

3. Kribbeln, Taubheitsgefühl und Nervenschmerzen

Ein Mangel kann die peripheren Nerven schädigen (Polyneuropathie). Typisch sind Kribbeln, Brennen oder Taubheit in Händen und Füßen, manchmal auch Schmerzen oder Unsicherheit beim Gehen. Wichtig zu wissen: Auch eine dauerhafte Überdosierung von Vitamin B6 durch hochdosierte Präparate kann genau solche Nervenschäden verursachen. Deshalb sollte B6 nie auf eigene Faust hoch dosiert werden.

4. Müdigkeit und Blutarmut

Vitamin B6 wird für die Bildung von Häm, dem eisenhaltigen Bestandteil des roten Blutfarbstoffs, benötigt. Bei Mangel kann eine bestimmte Form der Blutarmut entstehen, bei der die roten Blutkörperchen klein und blass sind. Folgen sind Erschöpfung, Blässe, Schwindel, Kurzatmigkeit und Herzklopfen. Ein geschwächtes Immunsystem mit häufigeren Infekten wird ebenfalls mit einem Mangel in Verbindung gebracht.

Wer ist gefährdet?

Ein Mangel entsteht seltener durch zu wenig Zufuhr als durch Aufnahme- oder Verwertungsstörungen. Betroffen sein können Menschen mit chronischem Alkoholkonsum, Nierenerkrankungen und Dialyse, Zöliakie, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sowie rheumatoider Arthritis. Auch manche Medikamente senken den Spiegel, etwa das Tuberkulosemittel Isoniazid, Penicillamin und einige Antiepileptika. Ältere Menschen, Schwangere und stark Untergewichtige haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Wie viel Vitamin B6 braucht der Körper?

Der Bedarf Erwachsener liegt bei etwa 1,4 bis 1,6 Milligramm pro Tag und lässt sich mit einer abwechslungsreichen Ernährung gut decken. Gute Quellen sind Geflügel, Fisch (etwa Lachs und Thunfisch), Schweinefleisch, Kartoffeln, Bananen, Haferflocken, Kichererbsen, Linsen, Walnüsse und Vollkornprodukte. Beim Kochen und Lagern gehen Teile des Vitamins verloren, schonende Zubereitung hilft.

Diagnose und Behandlung

Der Arzt kann den Vitamin-B6-Spiegel im Blut bestimmen, meist über die aktive Form Pyridoxal-5-Phosphat. Zusätzlich wird nach der Ursache gesucht, etwa nach Darmerkrankungen oder Medikamenteneffekten. Die Behandlung besteht aus Ernährungsumstellung und, falls nötig, einem Präparat in angemessener Dosis unter ärztlicher Kontrolle.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln

Mehr hilft nicht mehr. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2023 die tolerierbare Obergrenze für Erwachsene auf 12 Milligramm pro Tag gesenkt, weil auch bei Langzeiteinnahme höherer Mengen Nervenschäden auftreten können. Viele Präparate enthalten deutlich mehr. Lesen Sie die Etiketten, nehmen Sie B6 nicht dauerhaft hoch dosiert ein und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, falls Sie mehrere Ergänzungsmittel kombinieren.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie ärztlichen Rat bei anhaltendem Kribbeln oder Taubheit, bei nicht abheilenden Hautveränderungen und Mundwinkelrissen, bei unerklärlicher Müdigkeit oder Stimmungsveränderungen. Auch wenn Sie Medikamente einnehmen, die den B6-Haushalt beeinflussen, lohnt sich die Nachfrage.

Fazit

Ein Vitamin-B6-Mangel äußert sich oft durch Hautprobleme, Stimmungsschwankungen, Nervenbeschwerden und Müdigkeit, also durch Symptome, die leicht übersehen werden. Meist reicht eine ausgewogene Ernährung aus. Bei Risikofaktoren oder anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache ärztlich geklärt werden, und Präparate gehören nur in der richtigen Dosis und mit Verstand in den Alltag.

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