Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland erkrankt etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens, und auch Männer können, wenn auch selten, betroffen sein. Die Heilungschancen sind bei früher Entdeckung sehr gut. Viele Frauen denken bei Brustkrebs nur an einen Knoten, doch es gibt weitere Zeichen, die leicht übersehen werden. Wichtig: Die meisten Veränderungen der Brust sind gutartig, etwa Zysten, Fibroadenome oder hormonbedingte Schwankungen. Trotzdem gilt: Jede neue, anhaltende Veränderung sollte ärztlich abgeklärt werden.
1. Ein neuer Knoten in der Brust oder Achselhöhle
Das bekannteste Zeichen. Meist ist der Knoten hart, schmerzlos und hat unregelmäßige Ränder, kann sich aber auch weich oder rund anfühlen. Auch ein Knoten in der Achselhöhle, die vergrößerte Lymphknoten enthält, kann ein Hinweis sein. Jeder neue Knoten gehört untersucht.
2. Veränderungen von Größe oder Form
Wenn eine Brust plötzlich größer, kleiner, tiefer hängend oder anders geformt erscheint, kann das Zeichen einer Veränderung im Gewebe sein. Ein Unterschied zwischen beiden Brüsten ist normal, neu aufgetretene Asymmetrien sollten Sie aber beachten.
3. Hautveränderungen: Einziehungen, Dellen, „Orangenhaut”
Eine eingezogene Haut, Grübchen oder eine Hautstruktur wie die einer Orange (Peau d’orange) entstehen, wenn ein Tumor das Gewebe verzieht oder die Lymphgefäße verstopft. Auch Rötung, Schwellung, Erwärmung oder Verhärtung der Brusthaut können auf einen seltenen, aggressiven Typ hinweisen, das inflammatorische Mammakarzinom. Es wird manchmal mit einer Brustentzündung verwechselt. Wenn eine „Entzündung” nach einer Woche Behandlung nicht besser wird, sollten Sie nachfragen.
4. Veränderungen an der Brustwarze
Eine Brustwarze, die sich nach innen zieht, die Form ändert oder wund wird, kann ein Zeichen sein. Schuppige, gerötete, nässende oder krustige Haut an Brustwarze und Warzenhof, die nicht abheilt, kann auf den Morbus Paget der Brust hindeuten, eine besondere Form, die leicht mit Ekzem verwechselt wird.
5. Ausfluss aus der Brustwarze
Blutiger oder klarer Ausfluss, der spontan und nur aus einer Brust auftritt, gehört untersucht. Milchiger Ausfluss bei beiden Brüsten hat meist hormonelle oder medikamentöse Ursachen, sollte aber ebenfalls ärztlich besprochen werden.
6. Schmerzen, die nicht zum Zyklus passen
Brustschmerzen sind selten ein Zeichen für Krebs und meist hormonell bedingt. Ein einseitiger, anhaltender, nicht zyklusabhängiger Schmerz an einer Stelle sollte aber abgeklärt werden.
7. Schwellung oder Knoten im Bereich von Schlüsselbein und Achsel
Geschwollene Lymphknoten unter dem Arm oder am Schlüsselbein können bedeuten, dass sich Tumorzellen ausgebreitet haben, entstehen aber viel häufiger durch Infektionen. Dauerhafte, harte, schmerzlose Schwellungen sollten untersucht werden.
8. Allgemeine Zeichen in fortgeschrittenen Stadien
Anhaltende Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Knochenschmerzen, Kurzatmigkeit oder Gelbfärbung der Haut können bei fortgeschrittener Erkrankung vorkommen. Sie sind keine Frühzeichen.
Risikofaktoren
Zu den wichtigsten zählen das Alter, Brustkrebs bei nahen Verwandten, Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2 (sowie weiteren), frühere Brustkrebserkrankung oder bestimmte gutartige Veränderungen, dichtes Brustgewebe, frühe erste Regelblutung und späte Wechseljahre, späte oder keine Schwangerschaft, Übergewicht nach den Wechseljahren, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen sowie langjährige kombinierte Hormonersatztherapie. Viele Frauen mit Brustkrebs haben keinen erkennbaren Risikofaktor.
Selbstuntersuchung und Früherkennung
Die Brust regelmäßig zu kennen, also zu sehen und zu tasten, hilft, Veränderungen zu bemerken. Tasten Sie am besten einmal im Monat, bei Frauen vor den Wechseljahren einige Tage nach der Periode. Es handelt sich um eine Ergänzung, sie ersetzt keine Vorsorge. In Deutschland haben Frauen ab 30 Anspruch auf eine jährliche Tastuntersuchung, und zwischen 50 und 75 Jahren wird alle zwei Jahre eine Mammographie im Rahmen des Screening-Programms angeboten. Bei erhöhtem familiärem Risiko beginnt die Früherkennung früher, oft mit MRT. Die Empfehlungen unterscheiden sich von Land zu Land.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ärzte tasten die Brust ab und führen Bildgebung durch (Mammographie, Ultraschall, gegebenenfalls MRT). Bei Auffälligkeiten wird eine Gewebeprobe entnommen (Stanzbiopsie), die Art und Eigenschaften des Tumors bestimmt, etwa Hormonrezeptoren und HER2, die für die Therapie entscheidend sind.
Behandlung
Je nach Stadium und Tumorart: Operation (meist brusterhaltend), Strahlentherapie, Chemotherapie, Antihormontherapie, zielgerichtete Therapien (zum Beispiel gegen HER2) und Immuntherapie. Die Behandlung wird in einem zertifizierten Brustzentrum geplant. Im Frühstadium sind die Heilungschancen hoch.
Vorbeugung
Das Risiko lässt sich senken durch regelmäßige Bewegung, Normalgewicht, wenig Alkohol, Verzicht auf Rauchen, Stillen und eine ausgewogene Ernährung. Frauen mit stark erhöhtem Risiko können sich genetisch beraten lassen.
Wann zum Arzt?
Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin, wenn Sie einen neuen Knoten tasten, eine Hautveränderung, Einziehung, Ausfluss oder eine Veränderung der Brustwarze bemerken, oder wenn sich etwas nach einem Menstruationszyklus nicht zurückbildet. Warten Sie nicht ab und schämen Sie sich nicht. Die meisten Befunde sind harmlos, und eine frühe Abklärung gibt Sicherheit.
Fazit
Brustkrebs zeigt sich nicht nur als Knoten, sondern auch durch Hautveränderungen, Brustwarzenveränderungen, Ausfluss, Formveränderungen und geschwollene Lymphknoten. Wer seine Brust kennt, Vorsorgetermine wahrnimmt und Veränderungen ernst nimmt, verbessert seine Chancen deutlich.