Vitamin A gehört zu den wichtigsten fettlöslichen Vitaminen des Körpers. Es ist entscheidend für das Sehvermögen, die Gesundheit von Haut und Schleimhäuten, die Immunabwehr, das Wachstum und die Fortpflanzung. In Mitteleuropa kommt ein ausgeprägter Mangel selten vor, weltweit zählt er jedoch zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für Erblindung bei Kindern. Auch in Industrieländern können bestimmte Menschen betroffen sein, etwa solche mit Erkrankungen des Verdauungstrakts, sehr einseitiger Ernährung oder starkem Alkoholkonsum. Das Tückische: Viele frühe Anzeichen wirken harmlos und werden anderen Ursachen zugeschrieben. Hier sind zehn Symptome, auf die Sie achten sollten.
1. Nachtblindheit. Das klassische Frühsymptom. Vitamin A ist ein Baustein des Sehfarbstoffs Rhodopsin, der in der Netzhaut für das Sehen bei schwachem Licht zuständig ist. Fehlt er, fällt es schwer, sich in der Dämmerung oder in dunklen Räumen zu orientieren, und die Augen brauchen sehr lange, um sich anzupassen.
2. Trockene Augen. Der Tränenfilm braucht Vitamin A, damit die Bindehaut und die Hornhaut feucht bleiben. Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung und ständiges Reiben können Hinweise sein, auch wenn sie viele andere Ursachen haben, etwa Bildschirmarbeit oder trockene Raumluft.
3. Xerophthalmie und Bitot-Flecken. Bei fortschreitendem Mangel entstehen auf der Bindehaut schaumige, grauweiße Flecken, die sogenannten Bitot-Flecken. Sie sind ein typisches Zeichen und sollten sofort ärztlich abgeklärt werden.
4. Hornhautschäden. Unbehandelt kann die Hornhaut trüb werden, Geschwüre bilden und im schlimmsten Fall erweichen (Keratomalazie). Das kann zu dauerhafter Erblindung führen. Deshalb gilt: Sehstörungen nie auf die lange Bank schieben.
5. Trockene, raue Haut. Vitamin A reguliert die Erneuerung der Hautzellen. Bei Mangel wird die Haut schuppig, rau und spannt, besonders an Armen, Beinen und im Gesicht.
6. Follikuläre Hyperkeratose. Kleine, raue Knötchen, die sich wie „Gänsehaut” anfühlen und vor allem an Oberarmen und Oberschenkeln auftreten. Sie entstehen, weil sich Hornmaterial in den Haarfollikeln staut.
7. Häufige Infektionen. Haut und Schleimhäuten in Atemwegen, Darm und Harnwegen bilden eine Barriere gegen Krankheitserreger. Ist sie geschwächt, treten Erkältungen, Bronchitis, Durchfall oder Harnwegsinfekte häufiger und schwerer auf. Bei Kindern in Entwicklungsländern erhöht ein Mangel nachweislich das Risiko, an Masern oder Durchfallerkrankungen zu sterben.
8. Verzögerte Wundheilung. Vitamin A ist an der Bildung neuen Gewebes und an der Kollagenproduktion beteiligt. Wunden, die auffallend langsam heilen, können ein Hinweis sein, ebenso wie eine Reihe anderer Mangelzustände oder Erkrankungen wie Diabetes.
9. Wachstumsverzögerung bei Kindern. Kinder brauchen Vitamin A für Knochenwachstum und Zellteilung. Ein anhaltender Mangel kann Wachstum und Entwicklung bremsen. Eltern sollten Auffälligkeiten beim Kinderarzt ansprechen.
10. Fruchtbarkeits- und Schwangerschaftsprobleme. Vitamin A spielt eine Rolle bei der Bildung von Spermien und Eizellen sowie bei der Entwicklung des Embryos. Ein Mangel kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Risiko für Komplikationen erhöhen.
Wer ist besonders gefährdet?
Risikogruppen sind Menschen mit Fettverdauungsstörungen, etwa bei Mukoviszidose, Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach bestimmten Magen-Darm-Operationen. Auch Alkoholmissbrauch und Lebererkrankungen beeinträchtigen die Speicherung. Hinzu kommen sehr strenge Diäten, Mangelernährung, Frühgeborene sowie Schwangere und Stillende mit erhöhtem Bedarf.
Vitamin-A-reiche Lebensmittel
Retinol steckt in tierischen Produkten wie Leber, Eiern, Butter, Käse und fettem Fisch. Pflanzen liefern Provitamin A (Beta-Carotin), das der Körper umwandelt: Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Spinat, Grünkohl, Paprika und Aprikosen. Da Vitamin A fettlöslich ist, wird es besser aufgenommen, wenn die Mahlzeit etwas Fett enthält, zum Beispiel ein Schuss Öl über dem Karottengemüse.
Wann zum Arzt?
Bei Nachtblindheit, anhaltend trockenen oder schmerzenden Augen und Sehveränderungen sollten Sie zügig einen Augenarzt aufsuchen. Ein Bluttest kann den Retinolspiegel bestimmen. Ergänzungsmittel sollten Sie nicht auf eigene Faust einnehmen: Zu viel Vitamin A ist giftig und kann Leberschäden, Knochenprobleme und Kopfschmerzen verursachen. In der Schwangerschaft können hohe Dosen sogar Fehlbildungen beim Kind auslösen.
Fazit
Ein Vitamin-A-Mangel kündigt sich oft leise an, mit Nachtblindheit, trockener Haut oder wiederkehrenden Infekten. Wer diese Zeichen kennt, kann früh handeln. Meist genügt eine ausgewogene Ernährung; bei Risikofaktoren oder deutlichen Symptomen gehört die Behandlung in ärztliche Hände.