Ungewöhnliche Anzeichen von Darmkrebs, die Sie nicht ignorieren sollten

Darmkrebs gehört in Deutschland und vielen anderen Ländern zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die gute Nachricht: Er entwickelt sich meist langsam aus gutartigen Vorstufen, den Polypen, und ist im frühen Stadium sehr gut behandelbar. Die schlechte: Im Anfangsstadium verursacht er oft keinerlei Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, sind sie häufig unspezifisch und werden mit Hämorrhoiden, Reizdarm oder Stress verwechselt. Dieser Artikel stellt Anzeichen vor, die Aufmerksamkeit verdienen, auch die weniger bekannten.

1. Veränderte Stuhlgewohnheiten

Wenn Sie über mehrere Wochen anhaltend Durchfall, Verstopfung oder einen Wechsel zwischen beidem bemerken, ohne dass sich Ernährung oder Lebensumstände geändert haben, sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Ein einmaliger Magen-Darm-Infekt ist nicht gemeint, sondern eine dauerhafte Veränderung.

2. Blut im Stuhl

Hellrotes oder dunkles Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier ist ein wichtiges Warnsignal. Häufig stecken harmlose Ursachen wie Hämorrhoiden dahinter. Das lässt sich aber nicht selbst beurteilen. Gerade bei Menschen über 45 sollte Blut im Stuhl nie vorschnell auf Hämorrhoiden geschoben werden.

3. Schwarzer, teerartiger Stuhl

Sitzt ein Tumor im rechten Dickdarm, kann das Blut auf dem langen Weg verdaut werden und den Stuhl dunkel bis schwarz färben. Auch Eisenpräparate und bestimmte Lebensmittel können die Farbe verändern, bei anhaltend schwarzem Stuhl ist aber eine Untersuchung nötig.

4. Bleistiftdünner Stuhl

Ein dauerhaft sehr dünner, bandförmiger Stuhl kann bedeuten, dass ein Tumor das Darmlumen verengt. Auch dieses Zeichen ist unspezifisch, aber es sollte nicht einfach hingenommen werden.

5. Das Gefühl, den Darm nie ganz zu entleeren

Ständiger Stuhldrang oder das Gefühl, nach dem Toilettengang sei noch nicht alles draußen (Tenesmen), tritt vor allem bei Tumoren im unteren Darmabschnitt und im Enddarm auf.

6. Bauchschmerzen, Krämpfe und Blähungen

Anhaltende Krämpfe, ein Druckgefühl oder starke Blähungen ohne erkennbaren Grund können auf eine teilweise Verengung hindeuten. Wenn zusätzlich Übelkeit, Erbrechen und ein aufgetriebener Bauch auftreten, kann ein Darmverschluss vorliegen. Das ist ein Notfall.

7. Ungewollter Gewichtsverlust

Wer ohne Diät oder mehr Sport innerhalb weniger Monate deutlich abnimmt, sollte die Ursache klären lassen. Tumoren verbrauchen Energie, verändern den Stoffwechsel und dämpfen den Appetit.

8. Anhaltende Müdigkeit und Blutarmut

Das vielleicht am meisten unterschätzte Zeichen. Kleine, unbemerkte Blutungen im Darm führen über Monate zu Eisenmangel und Anämie. Folgen sind Erschöpfung, Blässe, Kurzatmigkeit und Herzklopfen. Bei Eisenmangel ohne erkennbare Ursache, besonders bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren, wird häufig eine Darmspiegelung empfohlen.

9. Appetitlosigkeit und Übelkeit

Auch ein verändertes Essverhalten, schnelles Sättigungsgefühl oder anhaltende Übelkeit können vorkommen, vor allem in fortgeschrittenen Stadien.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Zu den Risikofaktoren zählen höheres Alter, Darmkrebs oder Polypen in der Familie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, erbliche Syndrome wie das Lynch-Syndrom, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, hoher Alkoholkonsum sowie viel rotes und verarbeitetes Fleisch bei wenig Ballaststoffen. Auch bei jüngeren Menschen steigen die Fallzahlen, weshalb Symptome in jedem Alter ernst genommen werden sollten.

Vorsorge rettet Leben

Die wirksamste Maßnahme ist die Früherkennung. In Deutschland wird ab 50 Jahren ein Stuhltest angeboten, und eine Darmspiegelung (Koloskopie) steht Männern ab 50 und Frauen ab 55 zur Verfügung. Bei der Koloskopie können Polypen direkt entfernt werden, bevor sie bösartig werden. Wer familiär vorbelastet ist, sollte oft deutlich früher beginnen. Fragen Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, welcher Zeitplan für Sie passt, denn die Empfehlungen unterscheiden sich von Land zu Land.

Vorbeugen im Alltag

Folgende Gewohnheiten senken das Risiko nachweislich: ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten, weniger rotes und verarbeitetes Fleisch, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht, Verzicht aufs Rauchen und wenig Alkohol.

Wann sofort zum Arzt?

Suchen Sie rasch ärztliche Hilfe bei Blut im Stuhl, anhaltender Veränderung des Stuhlgangs über mehr als zwei bis drei Wochen, unerklärlichem Gewichtsverlust, starken Bauchschmerzen oder Anzeichen eines Darmverschlusses. Die meisten dieser Symptome haben harmlose Ursachen, aber Gewissheit schafft nur die Untersuchung.

Fazit

Darmkrebs macht sich oft spät und leise bemerkbar. Wer Veränderungen im Stuhlgang, Blut, Gewichtsverlust oder unerklärliche Müdigkeit bemerkt, sollte nicht abwarten. Und wer das Vorsorgealter erreicht hat, tut gut daran, die Früherkennung wahrzunehmen. Frühzeitig erkannt, ist Darmkrebs in den allermeisten Fällen heilbar.

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