Ein Schlaganfall entsteht, wenn ein Teil des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet wird, meist durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall, etwa 85 Prozent der Fälle), seltener durch eine Hirnblutung. Pro Minute ohne Behandlung sterben Millionen Nervenzellen ab. Deshalb gilt: Zeit ist Gehirn. Wer die Warnzeichen kennt und sofort handelt, kann Leben retten und bleibende Schäden verringern. Die Anzeichen treten meist plötzlich auf. Hier sind sechs, die Sie kennen sollten.
1. Plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite
Gesicht, Arm oder Bein einer Körperseite werden plötzlich schwach, taub oder fühlen sich „fremd” an. Ein Gesichtsausdruck, bei dem ein Mundwinkel herabhängt, ist besonders typisch. Das FAST-Schema (im Deutschen auch „FAST”: Face, Arm, Speech, Time) hilft: Bitten Sie die Person zu lächeln, beide Arme zu heben und einen einfachen Satz zu sprechen.
2. Sprachstörungen
Undeutliches, verwaschenes Sprechen, Wortfindungsstörungen oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen, gehören zu den häufigsten Zeichen. Betroffene sprechen manchmal sinnlose Sätze oder wirken verwirrt.
3. Plötzliche Sehstörungen
Verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder ein plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen, manchmal wie ein „Vorhang”, der herabfällt, können Zeichen sein.
4. Plötzlicher Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
Heftiger Drehschwindel, Gangunsicherheit, Koordinationsprobleme oder Stürze ohne erkennbaren Grund, vor allem zusammen mit anderen Symptomen, deuten auf eine Durchblutungsstörung im Hirnstamm oder Kleinhirn hin.
5. Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen
Ein „Vernichtungskopfschmerz”, der wie ein Schlag auftritt und der schlimmste Schmerz des Lebens ist, kann auf eine Hirnblutung hinweisen. Er kann mit Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit oder Bewusstseinsstörung einhergehen.
6. Verwirrtheit und Bewusstseinsveränderungen
Plötzliche Desorientierung, Gedächtnislücken, Benommenheit oder ein verändertes Verhalten können vorkommen.
TIA: der Warnschuss
Eine transitorische ischämische Attacke (TIA, „Mini-Schlaganfall”) verursacht dieselben Symptome, die sich aber nach Minuten bis Stunden wieder zurückbilden. Das ist trügerisch: Eine TIA ist ein Notfall und ein starkes Warnsignal, denn in den folgenden Tagen ist das Risiko für einen echten Schlaganfall deutlich erhöht. Auch wenn die Beschwerden verschwunden sind, rufen Sie den Notruf.
Was tun im Notfall?
- Wählen Sie sofort den Notruf 112. Warten Sie nicht ab, ob es besser wird.
- Notieren Sie, wann die Symptome begonnen haben. Diese Zeitangabe ist für die Behandlung entscheidend.
- Lagern Sie die Person mit leicht erhöhtem Oberkörper, lockern Sie enge Kleidung, geben Sie nichts zu essen oder zu trinken.
- Bleiben Sie bei der Person und beobachten Sie Atmung und Bewusstsein.
- Fahren Sie nicht selbst zur Klinik, der Rettungsdienst kann den Weg in eine spezialisierte Schlaganfallstation (Stroke Unit) vorbereiten.
Bei einem ischämischen Schlaganfall kann eine Auflösung des Gerinnsels (Thrombolyse) oder eine mechanische Entfernung (Thrombektomie) die Folgen drastisch verringern, doch diese Behandlungen sind nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters möglich.
Risikofaktoren
Der wichtigste ist Bluthochdruck. Weitere sind Vorhofflimmern, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum, Gefäßverkalkung und Verengungen der Halsschlagadern, höheres Alter und eine familiäre Vorbelastung. Auch die Pille in Kombination mit Rauchen und Migräne mit Aura erhöhen das Risiko bei Frauen. Etwa vier von fünf Schlaganfällen gelten als vermeidbar.
Vorbeugung
- Blutdruck regelmäßig messen und behandeln lassen
- Vorhofflimmern erkennen (unregelmäßiger Puls) und mit Gerinnungshemmern behandeln
- Rauchen aufgeben
- Mediterrane Ernährung, wenig Salz
- Mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche
- Blutzucker und Cholesterin kontrollieren
- Alkohol begrenzen und Stress reduzieren
Fazit
Ein Schlaganfall kündigt sich selten lange an, aber seine Zeichen sind eindeutig: Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung, Schwindel, schlimmster Kopfschmerz, Verwirrtheit. Handeln Sie sofort und wählen Sie 112. Und senken Sie Ihr Risiko, indem Sie Blutdruck und Lebensstil im Griff behalten.