Die Nieren filtern täglich rund 180 Liter Blut, scheiden Abfallstoffe und überschüssiges Wasser aus, regulieren den Blutdruck, den Salz- und Mineralhaushalt und bilden Hormone für die Blutbildung und den Knochenstoffwechsel. Eine chronische Nierenerkrankung (CKD) entwickelt sich meist über Jahre und bleibt lange unbemerkt, weil die Nieren enorme Reserven haben. Oft treten Beschwerden erst auf, wenn bereits mehr als die Hälfte der Nierenfunktion verloren ist. Deshalb ist es so wichtig, die leisen Warnzeichen zu kennen, vor allem wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören.
1. Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
Wenn die Nieren Abfallstoffe nicht mehr ausreichend filtern, sammeln sich diese im Blut an. Hinzu kommt eine Blutarmut, weil die kranke Niere zu wenig Erythropoetin bildet, das Hormon für die roten Blutkörperchen. Die Folge sind Erschöpfung, Schwäche und Denkschwierigkeiten.
2. Schwellungen an Knöcheln, Füßen und im Gesicht
Wenn die Nieren Wasser und Salz nicht mehr ausreichend ausscheiden, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe. Typisch sind geschwollene Knöchel und Unterschenkel am Abend sowie Schwellungen um die Augen am Morgen. Schwellungen haben viele Ursachen, etwa Herz- oder Venenleiden, weshalb eine Abklärung nötig ist.
3. Schaumiger Urin
Dauerhaft stark schäumender Urin kann auf Eiweiß im Urin (Proteinurie) hinweisen, ein frühes und wichtiges Zeichen für eine Nierenschädigung. Gelegentlicher Schaum, etwa bei kräftigem Strahl, ist normal.
4. Veränderungen beim Wasserlassen
Häufiger Harndrang, vor allem nachts, weniger Urin, dunkler oder blutiger Urin, Schmerzen oder ein schwacher Strahl können auf Probleme der Nieren oder ableitenden Harnwege hindeuten. Blut im Urin sollte immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn es nicht schmerzt.
5. Juckreiz und trockene Haut
Wenn sich Abbauprodukte und Phosphat im Blut anreichern, kann die Haut quälend jucken und sehr trocken werden. Das ist bei fortgeschrittener Erkrankung häufig.
6. Übelkeit, Appetitverlust und Metallgeschmack
Harnstoffe im Blut (Urämie) können Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, einen metallischen Geschmack im Mund und Mundgeruch nach Ammoniak verursachen. Viele Betroffene nehmen deshalb unbeabsichtigt ab.
7. Rückenschmerzen im Flankenbereich
Schmerzen seitlich im Rücken unterhalb der Rippen können von den Nieren kommen, etwa bei Nierensteinen, Infektionen oder Zysten. Eine chronische Nierenerkrankung verursacht aber meist keine Schmerzen.
8. Muskelkrämpfe
Störungen bei Elektrolyten wie Kalzium, Kalium und Natrium können zu Muskelkrämpfen und zuckenden Muskeln führen. Auch Kribbeln in den Füßen und unruhige Beine sind möglich.
9. Bluthochdruck, der schwer einstellbar ist
Die Nieren regulieren den Blutdruck, und umgekehrt schädigt Bluthochdruck die Nieren. Ein schwer einstellbarer Bluthochdruck, besonders bei jüngeren Menschen, sollte die Nieren in den Blick rücken.
10. Schlafstörungen und Atemnot
Schlafprobleme, Restless-Legs-Syndrom und Schlafapnoe treten bei Nierenkranken gehäuft auf. Flüssigkeit in der Lunge kann zu Kurzatmigkeit führen.
Wer ist gefährdet?
Hauptrisikofaktoren sind Diabetes und Bluthochdruck, die zusammen die häufigsten Ursachen sind. Hinzu kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Rauchen, höheres Alter, Nierenerkrankungen in der Familie, wiederholte Harnwegsinfekte, Nierensteine und der langfristige Gebrauch bestimmter Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac). Auch Autoimmunerkrankungen und Erbkrankheiten wie die polyzystische Nierenerkrankung spielen eine Rolle.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Zwei einfache Tests geben Aufschluss: der Kreatininwert im Blut, aus dem die geschätzte Filtrationsrate (eGFR) berechnet wird, und eine Urinprobe auf Eiweiß (Albumin) und Blut. Ergänzend folgen eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und weitere Tests. Wer Diabetes oder Bluthochdruck hat, sollte diese Werte mindestens einmal im Jahr prüfen lassen.
Behandlung und Vorbeugung
Die Ursache zu behandeln steht an erster Stelle: Blutdruck und Blutzucker gut einstellen, wenn nötig mit Medikamenten wie ACE-Hemmern, Sartanen oder SGLT2-Hemmern, die die Nieren schützen. Weitere Maßnahmen:
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen
- Gesundes Gewicht und regelmäßige Bewegung
- Ausgewogene Ernährung mit wenig Salz, bei fortgeschrittener Erkrankung angepasst an Eiweiß, Kalium und Phosphat nach Rücksprache mit dem Arzt oder einer Ernährungsberatung
- Ausreichend, aber nicht übertrieben trinken, sofern keine Beschränkung besteht
- Schmerzmittel wie Ibuprofen nicht dauerhaft und nur nach Absprache einnehmen
- Frühzeitig behandeln bei Harnwegsinfekten
Im Endstadium sind Dialyse oder Nierentransplantation notwendig.
Wann zum Arzt?
Gehen Sie zum Arzt bei anhaltenden Schwellungen, Blut oder Schaum im Urin, deutlich veränderter Urinmenge, unerklärlicher Müdigkeit oder Juckreiz. Notfallmäßig sollten Sie sich melden bei sehr geringer oder keiner Urinausscheidung, Verwirrtheit, starker Atemnot oder starken Flankenschmerzen mit Fieber.
Fazit
Nierenerkrankungen verlaufen lange still. Müdigkeit, Schwellungen, schäumender Urin, Juckreiz und Blutdruckprobleme sind Hinweise, die man ernst nehmen sollte. Menschen mit Risikofaktoren sollten ihre Nierenwerte regelmäßig kontrollieren lassen, denn bei früher Diagnose lässt sich das Fortschreiten oft deutlich bremsen.