Rote Punkte auf der Haut sind ein häufiges Phänomen. Meist sind sie harmlos, etwa kleine Gefäßwucherungen oder eine Reaktion auf Hitze. Manchmal sind sie jedoch ein Hinweis auf eine Infektion, eine Blutgerinnungsstörung oder eine andere Erkrankung, die behandelt werden muss. Entscheidend ist die Frage: Wie sehen die Punkte genau aus, wo sitzen sie, und welche weiteren Beschwerden gibt es? Dieser Artikel hilft Ihnen, die häufigsten Ursachen einzuordnen, ersetzt aber keine Untersuchung. Dazu zuerst ein einfacher Test, der oft weiterhilft.
Der Glastest
Drücken Sie ein durchsichtiges Glas oder einen Spatel fest auf die roten Punkte. Wenn sie unter Druck verblassen, handelt es sich meist um erweiterte Gefäße oder eine Entzündung der Haut. Bleiben sie sichtbar und verblassen nicht, liegen sie wahrscheinlich daran, dass Blut aus den Gefäßen ins Gewebe ausgetreten ist. Solche Einblutungen sind abklärungsbedürftig. Treten sie zusammen mit Fieber, starkem Krankheitsgefühl, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit auf, ist das ein Notfall.
1. Kirschangiome (Cherry Angiomas)
Kleine, hellrote bis dunkelrote, runde Punkte, meist ein bis fünf Millimeter groß, die sich nicht wegdrücken lassen und keine Beschwerden machen. Sie entstehen durch Ansammlungen kleiner Blutgefäße, treten häufiger ab dem 30. Lebensjahr auf und nehmen mit dem Alter zu. Sie sind gutartig. Ärztlich untersuchen lassen sollte man sie, wenn sie schnell wachsen, bluten oder ihr Aussehen verändern.
2. Petechien
Winzige, stecknadelkopfgroße, rote bis violette Punkte, die beim Glastest nicht verblassen. Sie entstehen durch Einblutungen aus kleinsten Gefäßen. Auslöser können starkes Erbrechen oder Husten sein, die Einnahme bestimmter Medikamente, Virusinfektionen oder ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie), etwa bei Immunerkrankungen oder Leukämie. Sie sollten immer ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn sie neu und zahlreich auftreten.
3. Hitzepickel und Miliaria
Kleine, juckende rote Pünktchen oder Bläschen, vor allem an Hals, Brust und Rücken bei Hitze und Schwitzen, sind oft Schweißdrüsenverstopfungen. Sie verschwinden meist von selbst, wenn die Haut kühl und trocken bleibt.
4. Follikulitis und Keratosis pilaris
Rote Pünktchen rund um Haarfollikel können auf eine Entzündung der Haarwurzel (Follikulitis) hindeuten, oft nach Rasur, Schwitzen oder Reibung, manchmal mit Eiterbläschen. Raue, kleine, rötliche Knötchen an Oberarmen und Oberschenkeln gehören häufig zur Keratosis pilaris, einer harmlosen Verhornungsstörung, die oft familiär auftritt.
5. Allergische Reaktionen und Kontaktekzem
Rote Pünktchen oder Quaddeln, die jucken, können eine Reaktion auf Pflegeprodukte, Waschmittel, Pflanzen, Nahrungsmittel oder Medikamente sein. Zeitlicher Zusammenhang mit einer neuen Substanz ist ein wichtiger Hinweis. Bei Atemnot, Schwellung von Lippen oder Zunge, Schwindel oder Kreislaufproblemen handelt es sich um einen allergischen Notfall.
6. Virusinfektionen
Viele Infektionen gehen mit Ausschlag einher, etwa Röteln, Masern, Windpocken, Scharlach oder das Dreitagefieber bei Kindern. Meist gibt es zusätzlich Fieber, Halsschmerzen oder Abgeschlagenheit. Bei Verdacht sollten Betroffene Kontakte mit anderen vermeiden und ärztlichen Rat einholen, besonders bei Schwangeren und Immungeschwächten.
7. Gefäßentzündungen (Vaskulitis) und Purpura
Etwas größere, oft leicht erhabene, nicht wegdrückbare rote bis violette Flecken, häufig an den Unterschenkeln, können auf eine Gefäßentzündung hinweisen. Sie kann nach Infekten oder Medikamenten auftreten oder mit Autoimmunerkrankungen verbunden sein, manchmal mit Gelenk-, Bauch- oder Nierenbeteiligung. Hier ist eine zügige Abklärung wichtig.
8. Blutgerinnungsstörungen und Mängel
Rote Punkte können auch auf einen Mangel an Blutplättchen, Leberkrankheiten oder einen starken Vitamin-C- oder Vitamin-K-Mangel hindeuten. Bei Skorbut zeigen sich Einblutungen um die Haarfollikel, dazu Zahnfleischbluten.
9. Meningokokken-Infektion: der Notfall
Bei Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, großer Schwäche und einem Ausschlag aus roten oder violetten Punkten, die beim Glastest nicht verblassen, besteht der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung. Rufen Sie sofort den Notruf (in Deutschland 112). Hier zählt jede Stunde.
Wann zum Arzt?
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn die Punkte nicht verblassen, rasch zunehmen, größer werden, bluten, schmerzen oder mit Fieber, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Gewichtsverlust einhergehen. Auch wenn sie länger als zwei Wochen bestehen oder Sie unsicher sind, lohnt sich ein Termin beim Hausarzt oder bei der Hautärztin. Je nach Verdacht werden Blutbild, Gerinnungswerte und gegebenenfalls eine Hautprobe veranlasst.
Was Sie selbst tun können
Vermeiden Sie Kratzen und aggressive Pflegeprodukte, tragen Sie luftige Kleidung, kühlen Sie bei Hitze und beobachten Sie, wie sich die Punkte entwickeln. Fotos helfen dem Arzt, den Verlauf zu beurteilen. Nehmen Sie keine Medikamente auf Verdacht ein.
Fazit
Rote Punkte sind meist harmlos, doch nicht immer. Der Glastest, die Begleitsymptome und der Verlauf geben wichtige Hinweise. Bei nicht verblassenden Punkten oder Fieber ist schnelles Handeln entscheidend.