Arterien transportieren sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu allen Organen. Mit den Jahren können sich in ihren Wänden Fette, Entzündungszellen und Kalk ablagern. Es entstehen sogenannte Plaques, die die Gefäße verengen. Diesen Prozess nennt man Arteriosklerose, im Volksmund „Gefäßverkalkung”. Sie ist die Grundlage von Herzinfarkt, Schlaganfall und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) und damit eine der häufigsten Ursachen für Krankheit und Tod weltweit. Das Tückische: Über Jahre verursacht sie meist keine Beschwerden. Erst wenn die Verengung stark zunimmt oder ein Blutgerinnsel das Gefäß verschließt, werden Symptome spürbar. Diese sieben Anzeichen sollten Sie kennen.
1. Brustschmerz oder Druckgefühl (Angina pectoris)
Sind die Herzkranzgefäße verengt, bekommt der Herzmuskel bei Belastung zu wenig Sauerstoff. Typisch ist ein Druck, Engegefühl oder Brennen hinter dem Brustbein, das in Arm, Schulter, Kiefer, Hals oder Rücken ausstrahlen kann. Es tritt oft bei körperlicher oder seelischer Anspannung auf und lässt in Ruhe nach. Bei Frauen, älteren Menschen und Diabetikern sind die Beschwerden häufig weniger eindeutig. Ein Druckgefühl, das länger als einige Minuten anhält, ist ein Notfall.
2. Kurzatmigkeit
Wenn Treppensteigen oder ein zügiger Spaziergang plötzlich anstrengender wird als früher, kann das ein Zeichen sein, dass das Herz nicht mehr ausreichend durchblutet wird. Atemnot ist unspezifisch und hat viele Ursachen, etwa Lungenerkrankungen, Blutarmut oder Übergewicht. Neu auftretende oder zunehmende Atemnot gehört aber immer abgeklärt.
3. Schmerzen in den Beinen beim Gehen
Sind die Beinarterien verengt, schmerzen oder krampfen Waden, Oberschenkel oder Gesäß beim Gehen und lassen in Ruhe nach. Betroffene bleiben immer wieder stehen, weshalb man von der „Schaufensterkrankheit” spricht. Ohne Behandlung kann die Erkrankung fortschreiten und zu Ruheschmerzen und Wunden führen.
4. Kalte Füße, Hautveränderungen und schlecht heilende Wunden
Wenn die Durchblutung der Beine nachlässt, werden Füße kalt, die Haut wird blass oder bläulich, glänzend und dünn, die Behaarung nimmt ab, und Zehennägel wachsen schlecht. Wunden an Zehen oder Fersen heilen nur langsam oder gar nicht. Diabetiker sollten ihre Füße täglich kontrollieren.
5. Ungewöhnliche Müdigkeit und Schwindel
Wenn Organe und Gehirn nicht ausreichend durchblutet werden, kann das zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen, Schwindel oder Benommenheit führen. Auch diese Symptome sind unspezifisch, in Verbindung mit anderen Zeichen sollten sie jedoch ernst genommen werden.
6. Erektionsstörungen
Die kleinen Gefäße des Penis sind oft früher betroffen als die Herzkranzgefäße. Eine neu aufgetretene Erektionsstörung kann deshalb ein Frühwarnzeichen für eine Gefäßerkrankung sein, mitunter Jahre vor einem Herzinfarkt. Männer sollten das nicht aus Scham verschweigen, sondern ärztlich ansprechen.
7. Plötzliche neurologische Ausfälle
Wenn die Halsschlagadern verengt sind oder sich ein Gerinnsel löst, kann das Gehirn betroffen sein. Warnzeichen sind plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen. Sie können sich nach Minuten zurückbilden (TIA, „Mini-Schlaganfall”), sind aber ein dringender Warnschuss. Wählen Sie sofort den Notruf 112.
Was erhöht das Risiko?
Die wichtigsten Risikofaktoren sind hoher Blutdruck, erhöhtes LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, chronischer Stress, höheres Alter und erbliche Veranlagung. Auch chronische Entzündungskrankheiten und Nierenerkrankungen erhöhen das Risiko. Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto stärker wirken sie.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ärzte messen Blutdruck, Blutzucker und Blutfette und erheben das Gesamtrisiko. Je nach Beschwerden folgen ein EKG, ein Belastungs-EKG, Ultraschalluntersuchungen der Hals- und Beingefäße, die Messung des Knöchel-Arm-Index, eine Herzultraschalluntersuchung oder eine Darstellung der Herzkranzgefäße mittels CT oder Herzkatheter.
Vorbeugen und behandeln
Vieles lässt sich selbst beeinflussen: Nicht rauchen, sich mindestens 150 Minuten pro Woche mäßig bewegen, eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und Fisch, wenig Salz, wenig verarbeitetes Fleisch und wenig Zucker, ein gesundes Gewicht, Alkohol in Maßen und ausreichend Schlaf. Hinzu kommt gegebenenfalls eine Behandlung: Medikamente gegen Bluthochdruck, Cholesterinsenker (Statine), blutverdünnende Mittel, in bestimmten Fällen auch Eingriffe wie die Aufdehnung mit Stent oder eine Bypass-Operation. Medikamente sollten Sie nie eigenmächtig absetzen.
Wann zum Arzt, wann zum Notruf?
Bei Brustschmerz, der länger als einige Minuten anhält, Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit oder Ausstrahlung in Arm und Kiefer, sowie bei Schlaganfallzeichen wählen Sie sofort den Notruf 112. Bei Beinschmerzen beim Gehen, kalten Füßen oder schlecht heilenden Wunden vereinbaren Sie zeitnah einen Termin beim Hausarzt. Wer Risikofaktoren hat, sollte regelmäßig einen Gesundheits-Check-up nutzen.
Fazit
Verstopfte Arterien kündigen sich oft spät an: durch Brustdruck, Atemnot, Beinschmerzen, kalte Füße, Müdigkeit, Erektionsstörungen oder neurologische Ausfälle. Wer diese Zeichen kennt und seine Risikofaktoren im Griff hat, kann Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich vorbeugen. Der beste Zeitpunkt zu handeln ist, bevor Beschwerden entstehen.